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St. Anton am Arlberg: Vorreiter für Klimaschutz in den Alpen

Schindler Winter Panorama © TVB St. Anton am Arlberg Patrick Baetz 3 1080x608 - St. Anton am Arlberg: Vorreiter für Klimaschutz in den Alpen

St. Anton am Arlberg hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Wandlung durchlaufen. Abseits der glamourösen Skihütten und der lebhaften Après-Ski-Szene verbirgt sich ein Engagement für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, das den Blick auf den renommierten Alpen-Ort neu definiert. Wegen seines Engagements erhielt St. Anton die Auszeichnung Best Tourism Village  der UN Tourism.

Mitglied der „Best of the Alps”

Zusammen mit neun exklusiven Alpen-Destinationen – Chamonix-Mont-Blanc, Cortina d’Ampezzo, Courmayeur, Crans-Montana, Davos, Garmisch-Partenkirchen, Kitzbühel, Lech Zürs am Arlberg sowie Megéve – gehört St. Anton zum Verbund „Best of The Alps“.

Als Wiege des alpinen Skisports verfügt St. Anton über eine reiche Tradition und zieht seit über 100 Jahren internationale Gäste an. Der Ort ist authentisch und organisch gewachsen. Bekannte Veranstaltungen wie die Ski-Weltmeisterschaft und das „Der Weiße Rausch“ Skirennen unterstreichen die Qualität und Tradition des Ortes.

Gemeinsam möchten die renommierten Bergdestinationen durch Austausch und Wissenstransfer sowie die Bündelung von Ressourcen und Know-How eine gemeinsame Strategie definieren und so zum Kompetenzzentrum für umweltfreundlichen und zukunftsweisenden Tourismus werden.

KLAR: Vorbereitet auf den Klimawandel

Auch in einer weiteren Initiative ist St. Anton engagiert: Das Projekt KLAR! – kurz für Klimawandel-Anpassungs-Region – hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität und den touristischen Erfolg der Region langfristig zu gewährleisten. Denn der Klimawandel betrifft die Alpenregionen durch Temperaturextreme, Starkniederschläge oder Trockenheit ganz besonders heftig. Die Initative zielt darauf ab, vorausschauend zu reagieren und Maßnahmen zu setzen, um Schäden zu vermeiden. Daher liegt der Fokus einerseits darauf, bereits bestehende Nachhaltigkeitsaspekte und Klimaschutzinitiativen wie Wasserkraftwerke, Nahwärmeheizwerke und die Zugänglichkeit per Bahn zu fördern. Auf der anderen Seite werden Anpassungsmaßnahmen durchgeführt, um die wirtschaftlichen Grundlagen der Region zu sichern.

St. Anton spielt hier eine federführende Rolle, indem Projekte wie spezielle bienenfreundliche Weiden gefördert werden, genauso wie das Unterstützen von einheimischen Samen und Pflanzen zur Erhaltung der Biodiversität. Ein Leuchtturm-Projekt ist die Renaturierung des Egger Weihers, der durch die Folgen des Klimawandels von einer dicken Schlamm- und Algenschicht verschmutzt war. Dank eines innovativen Saugbaggers konnte die Biomasse schonend entfernt und als wertvolle Ressource genutzt werden.

Ein weiteres zentrales Thema ist die klimaangepasste Almbewirtschaftung. Denn ein gutes Weidemanagement kann beispielsweise indirekt dazu beitragen, das Risiko von Lawinen zu verringern. Lawinen entstehen oft durch die Ansammlung von Schnee auf steilen Hängen. Wenn Gras und andere Vegetation regelmäßig von Tieren abgefressen werden, wird der Schnee besser am Boden gehalten, da die Vegetation als Anker wirkt und die Schneedecke stabilisiert.

Mit viel Herzblut und Eigeninitiative engagiert sich die Inhaberin der Senn Hütte Tanja Senn dafür, den Touristen und Einheimischen die Einzigartigkeit der alpinen Natur- und Tierwelt näher zu bringen. Als Tiroler Naturführerin, Kräuterpädagogin, Klimapädagogin und Bergwanderin verfügt sie über ein unglaubliches Wissen, das sie in den Ausbau des Wunderwanderweges als „Naturlehrpfad“ gesteckt hat und bei Führungen weitergibt. Außerdem befindet sich rund um die Senn Hütte das weltgrößte Edelweissfeld, was sogar im Guinnessbuch der Weltrekorde vermerkt ist.

St. Anton am Arlberg kann auf eine lange Tradition der Stromerzeugung aus umweltfreundlicher Wasserkraft zurückblicken. Bereits vor 100 Jahren wurde das erste gemeindeeigene Kraftwerk eingeweiht, wie die Tiroler Bauernzeitung am 14. Dezember 1923 berichtete. Seitdem hat sich die Wasserkraft zu einer wichtigen Energiequelle für die Region entwickelt.

Umweltfreundliche Energiequellen

Wasserkraftwert Kartell St. Anton Verwall Stausee 768x1024 - St. Anton am Arlberg: Vorreiter für Klimaschutz in den Alpen

Die Wasserkraftwerke in St. Anton am Arlberg nutzen verschiedene Technologien wie Speicherseen und Stauseen, um Energie zu erzeugen. Die Restwasservergärung wird sorgfältig kontrolliert, um die ökologische Balance der Flüsse zu erhalten. Mit einer durchschnittlichen Wassermenge von 600 Litern pro Sekunde im Sommer und 400 Litern pro Sekunde im Winter können die Wasserkraftwerke eine beträchtliche Menge an Energie erzeugen. Die Gesamtkapazität beträgt etwa 10 Megawatt, was den Strombedarf von St. Anton am Arlberg, mit Ausnahme der Bergbahnen, decken kann. Jährlich werden etwa 55 Millionen Kilowattstunden erzeugt, was zur Energieautarkie der Region beiträgt. Allerdings wird im Winter etwas Strom zugekauft, um die erhöhte Nachfrage zu decken.

Um die Nachhaltigkeit weiter zu stärken, wurde im Jahr 2020 das Projekt Nahwärme initiiert. Dabei wurden Fernwärmeleitungen verlegt, um 95 Betriebe und Haushalte mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Durch diese Maßnahme konnten bereits 1,8 Millionen Liter Heizöl eingespart und etwa 5000 Tonnen CO₂ reduziert werden. Die Nutzung von Hackschnitzeln aus der Region als Brennstoff trägt ebenfalls zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen bei, während gleichzeitig die Luftqualität in der Region verbessert wird.

Respekt für Gäste, Einheimische und Natur 

Nachhaltigkeit ist nicht nur auf einer ökologischen, sondern auch auf einer sozialen Ebene wichtig – und auch hier ist St. Anton Vorbild. Um eine Atmosphäre der Akzeptanz und des gegenseitigen Respekts zu schaffen, startete St. Anton mit „Ski – Enjoy – Respect“ eine ganz besondere Kampagne. Alle Gäste des beliebten Orts werden als „Friends of St. Anton“ begrüßt und auf vier Botschaften aufmerksam gemacht: Die Skischuhe sollen nach 20 Uhr ausgezogen werden, auf der Straße nicht getrunken oder gerufen werden, die Mülleimer benutzt sowie die Skier in der Stadt ausgezogen werden. Der Sinn der Aktion? Nur wenn sich alle Gäste gleichermaßen willkommen fühlen und Rücksicht aufeinander nehmen, kann ein jeder den Aufenthalt in vollen Zügen genießen.

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Fotos: Dr. Marie-Catherine Klarkowski, © TVB St. Anton am Arlberg Patrick Bätz

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