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Interview mit Hanna Greis vom nachhaltigen Modelabel SETERY über New Luxury und Kunst

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The New Luxury – so der einprägsame Slogan des angesagten Münchner Luxuslabels SETERY. In Deutschland designt und produziert sind die Entwürfe allesamt nachhaltig und vegan. Seide, Kaschmir oder Wolle sucht man vergebens, und das hat auch seinen guten Grund. Denn für Gründerin Hanna Greis beginnt Luxus beim achtsamen Umgang – mit Ressourcen, Menschen und dem Tierwohl. Wir haben mit Hanna Greis über ihre Gedanken zu Luxus gesprochen und warum Fair Fashion ein Megatrend ist – und bleibt:

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Designerin Hanna Greis

Liebe Frau Greis, was bedeutet für Sie persönlich echter Luxus?

Greis: Luxus wird als ein Zustand von üppiger Fruchtbarkeit beschrieben. Als Handlungsweise oder Konsum weit über den durchschnittlichen Bedarf und Lebensstandard hinaus. Für mich persönlich ist es ein Anliegen diesen Begriff „neu“ zu definieren, angepasst an zeitgemäße Lebensumstände. Für mich ist Luxus nicht an Materialismus gebunden, sondern vielmehr an einen achtsamen Umgang mit den wertvollen Ressourcen. Wir alle wissen: Rohstoffe, Ressourcen und Lebensräume werden knapper. Für mich ist Luxus Zeit mit den Menschen zu verbringen die ich liebe, diese Menschen in guter Gesundheit zu wissen und offen für die schönen Momente im Leben zu sein.

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Welchen Luxus sollten wir uns alle von Zeit zu Zeit gönnen?

Innehalten und einen schönen Moment wirklich achtsam genießen. Weniger aufschieben und mehr im Hier und Jetzt leben.

Welchen „Luxus-Artikel“ tragen Sie immer bei sich?

Eine Vintage Cartier Uhr von meiner Mutter.

Fair Fashion – ist das ein Trend, oder vielmehr die Zukunft der Modebranche. Was denken Sie?

Fair Fashion ist ein Trend und kein Hype. „Green Fashion“ kann dem Megatrend der Neo-Ökologie zugeordnet werden. Ein Megatrend ist eine Lawine in Zeitlupe, der auf globaler Ebene sehr komplex und vielschichtig wirkt. Das wachsende Bewusstsein der Konsumenten nach Transparenz und vor allem nach Sicherheit und Gesundheit übt einen Druck auf die Modebranche aus. Laut Studien reagieren die Konsument:innen sensibler auf ein Produkt je näher dieses an der eigenen Gesundheit oder der Familie ist. Dennoch muss sich eine kritische Masse in der Bevölkerung dafür entscheiden bewusster und nachhaltiger zu konsumieren, um einen echten Wandel in der Modewelt voranzutreiben. Ohne den Druck von Kundenseite nach Transparenz, fairen Arbeitsbedingung und ökologischer Sicherheit werden Fast-Fashion-Hersteller nicht ihre Geschäftsprozesse ändern, sondern lediglich dem sozialen Druck nachgehen und „Greenwashing“ betreiben.  

Ein gutes Gefühl auf der Haut im doppelten Sinne ist für mich wahrer Luxus.

Hanna Greis, Gründerin von Setery

Für Ihre Kreationen verzichten Sie auf tierische Fasern wie Seide oder Wolle, die normalerweise für Luxus-Mode stehen. Wie wichtig war es für Sie, diese Materialien nicht zu verwenden und warum?

Es gab ein Schlüsselerlebnis, welches mich dazu bewegte, ein veganes Label zu gründen. Als ich das erste Mal auf einer großen Stoffmesse war, fragte ich einen Händler für Merinowolle, ob er versichern kann das seine Wolle „Mulesing-free“ ist. Beim Mulesing-Verfahren wird den Lämmern ohne Betäubung überschüssige Haut am Hinterteil entfernt, um das Einnisten von Fliegenlarven zu verhindern. Diese überschüssige Haut entsteht jedoch nur durch die Überzüchtung der Tiere damit sie mehr Haut und damit über mehr Wolle produzieren. In den überschüssigen Hautfalten können sich leicht Parasiten einnisten. Der Händler sagte mir nein, alle unsere Schafe werden diesem Verfahren unterzogen. Ich sah diese riesigen Berge an Wolle in den wildesten Farben und schrillen Mustern die sicher nach einer Saison nicht mehr verwendet wurden. So viel Tierleid für das? Ich begann zu recherchieren welche veganen Stoffe ein luxuriöses Tragegefühl bieten und natürlichen Ursprungs sind. So stieß ich beispielsweiße auf die Tencel Faser, welche aus einer Holzfaser in einem geschlossenen Kreislaufsystem durch die Firma Lenzing in Österreich hergestellt wird. Unsere Röcke MOANA und unser Kleid MILANA erinnern an eine Seiden-Kaschmir Mischung, ist robust, atmungsaktiv und einfach wunderschön. Weiter sind wir dabei, eine Kooperation mit einem Startup herzustellen die an einer veganen Faser aus Pilzkulturen forschen. Das besondere daran: der Stoff wächst direkt in den Zuschnitt und es entsteht kein Abfall. Ein gutes Gefühl auf der Haut im doppelten Sinne ist für mich wahrer Luxus.

Welches sind die größten Herausforderungen eines nachhaltigen und veganen Fashionlabels im Jahre 2022?

Mit der aktuellen Inflation und wie sich die Verbraucherpreise entwickeln, merkt man eine Zurückhaltung auf Seiten der Konsumenten. Gerade wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, wird für das „gute Gefühl“ eher zu großen Modegiganten mit einer „Green-Line“ gegriffen und weniger in kleine Marken investiert. Die Herausforderung für nachhaltige und vegane Fashionlabels ist es, ihre Geschichte zu erzählen und den Kauf zu einem wahren Erlebnis zu machen.

Die renommierte Kunsthistorikerin Dr. Sonja Lechner ist Markenbotschafterin von SETERY und steht Pate für das Kleid „Sonja“ – wie kam es zu dieser Kooperation?

Sonja und ihre zauberhafte Art begeistern mich. Ich habe sie tatsächlich über Instagram entdeckt und dann einfach angerufen. Nach meinem Anruf wollte ich Sonja kennenlernen und wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Ich erzählte ihr davon, dass ich meine Kundinnen als Kunst- und Kulturinteressiert sehe und fragte Sonja, ob sie Lust habe für uns zu modeln. Aus unserem ersten Shooting entwickelte sich eine Freundschaft. So hatten wir die gemeinsame Idee zu einem kunstinspirierten Kleid. Dieses Kleid wollte ich natürlich Sonja widmen. Die feminine Form des Kleides erinnert an seine wundervollen Namensgeberin Dr. Sonja Lechner. Sonja steht für mich für Female Entrepreneurship und lebt nach dem wundervollen Wert „We rise by lifting others“. Diese Wärme und tiefe Verbundenheit transportiert Sonja als unsere Markenbotschafterin wunderbar.

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Designerin Hanna Greis (links) mit Kunsthistorikerin Dr. Sonja Lechner

Bei SETERY gibt es eine wichtige Verbindung von Kunst und Mode. Wo liegen die Gemeinsamkeiten und worin unterscheidet sich Mode von Kunst?

Wir bei SETERY sehen Mode als Kunst. Als etwas Wertvolles, was in Handarbeit entstanden ist und mit viel Liebe designend wurde. So haben wir zusammen mit unserer Freundin und Fotokünstlerin Jacky Vifer unsere erste Art-Linie „PUR“ mit Fine Art Prints als eine Hommage an die Schönheit der Natur herausgebracht. Kunst versteht es, kritische Themen zu hinterfragen und neue Denkanstöße zu geben. So ist die Verschmelzung von Kunst und SETERY eine wundervolle Möglichkeit auf die Wichtigkeit eines nachhaltigen und achtsamen Umgangs mit der Natur und all Ihren Lebewesen hinzuweisen, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Ohne laut zu sein, sondern ästhetisch und fein. Natürlich erfüllt Mode auch einen sehr pragmatischen Zweck: Uns zu kleiden. Weshalb SETERY seine Designs nach dem Prinzip einer Caspsule Wardrobe entwickelt, wo jedes Teil miteinander kombiniert werden kann – von Casual über Business und elegant, um die morgendliche Kleiderfrage stilsicher zu beantworten. 

Wie würden Sie die Mode von SETERY in einem Satz beschreiben?

Zeitlos, puristisch mit einem guten Gefühl auf der Haut.

Herzlichen Dank für das Interview!

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Dr. Marie Klarkowski, Chefredakteurin Luxury First in einem Entwurf von SETERY: Modell Sonja aus „veganer Seide“

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