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Vendôme: Warum das Restaurant von Joachim Wissler bis heute zur deutschen Gourmet-Elite zählt

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Gang aus dem Degustationsmenü im Restaurant Vendôme im Schloss Bensberg

Präzision bis ins kleinste Detail: Das Vendôme verbindet moderne Spitzenküche mit einer klaren, produktorientierten Handschrift. Foto: Erik Chmil / Vendôme (Guide MICHELIN)

Das Vendôme im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg gehört auch 2026 zur deutschen Gourmet-Elite. Joachim Wissler machte das Restaurant über 25 Jahre zu einer international bekannten Adresse. Seit Ende 2025 führt sein langjähriger Weggefährte Dennis Kuckuck die Küche weiter – mit zwei Michelin-Sternen und einer eigenen kulinarischen Handschrift.

Schon die Ankunft vermittelt, dass ein Abend im Vendôme nicht erst am Tisch beginnt. Schloss Bensberg erhebt sich über der Kölner Bucht, mit seiner barocken Fassade, den symmetrischen Flügeln und einer Auffahrt, die den Alltag spürbar auf Abstand hält. Hinter den historischen Mauern trifft Grandhotel-Kultur auf eine Küche, die sich nie mit bloßer Repräsentation begnügt hat. Genau dieser Kontrast prägt den Charakter des Hauses: außen höfische Kulisse, innen moderne deutsche Spitzenküche.

Barocke Kulisse über der Kölner Bucht: Im Grandhotel Schloss Bensberg befindet sich das Restaurant Vendôme.
Von Michael.KramerEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Ein Restaurant vor großer Schlosskulisse

Schloss Bensberg wurde ursprünglich als Jagdschloss errichtet und zählt heute zu den eindrucksvollsten Grandhotels Deutschlands. Von der Anhöhe reicht der Blick bei klarer Sicht bis zum Kölner Dom. Wer durch die Eingangshalle geht, begegnet hohen Decken, schweren Leuchtern, Naturstein und jener gedämpften Ruhe, die große Hotels oft besser beherrschen als jedes bewusst inszenierte Designobjekt.

Das Vendôme liegt nicht im prunkvollsten Saal des Schlosses. Das Restaurant befindet sich in einem eigenen Gebäude innerhalb des Ensembles und wirkt dadurch intimer. Der Raum setzt auf klare Linien, helle Tischwäsche und zeitgenössische Kunst. Statt historischer Überladung entsteht eine zurückhaltende Bühne für die Teller.

Der Luxus des Vendôme zeigt sich weniger im sichtbaren Überfluss als in der Präzision. Er liegt im richtigen Abstand der Tische, im beinahe lautlosen Service, in der Temperatur eines Weins und im Rhythmus, mit dem sich ein Menü über den Abend entwickelt. Genau darin unterscheidet sich das Haus von Restaurants, die Exklusivität vor allem über spektakuläre Räume oder seltene Zutaten definieren. Weitere außergewöhnliche Konzepte findet Ihr in unserer Übersicht über die luxuriösesten und exklusivsten Restaurants.

Das Schloss bleibt trotzdem mehr als eine schöne Kulisse. Es verlängert den Restaurantbesuch zu einem Gesamterlebnis. Vor dem Dinner durch die Anlage zu gehen, später noch in der Bar zu sitzen oder direkt im Hotel zu übernachten, verändert die Wahrnehmung des Abends. Das Vendôme ist deshalb nicht einfach ein Spitzenrestaurant in einem Hotel. Es ist der kulinarische Mittelpunkt einer eigenen kleinen Welt.

Joachim Wissler und der Aufstieg des Vendôme

Als Joachim Wissler im Jahr 2000 die Küche des Vendôme übernahm, war die internationale Wahrnehmung deutscher Spitzenküche noch stark von französischen Vorbildern geprägt. Wissler wollte diese Tradition nicht verwerfen, aber er wollte ihr etwas Eigenes entgegensetzen. Seine Gerichte griffen deutsche Erinnerungen, regionale Produkte und vertraute Geschmacksbilder auf, ohne nostalgisch zu werden.

Er verband sie mit internationalen Gewürzen, modernen Techniken und einer oft überraschenden Dramaturgie. Ein Gericht konnte an Hausmannskost erinnern und im nächsten Moment in eine völlig andere Richtung führen. Gerade diese Spannung wurde zu seinem Markenzeichen.

2004 erhielt das Vendôme den dritten Michelin-Stern. Damit begann eine lange Phase, in der das Restaurant zu den höchstbewerteten Häusern Deutschlands gehörte. Wissler entwickelte sich zu einem der prägenden Vertreter der „Neuen Deutschen Schule“. Die internationale Rangliste The World’s 50 Best Restaurants beschrieb ihn später als einen Koch, der deutsche Küche mit weltweiten Zutaten und Techniken neu interpretiert.

Seine Küche war anspruchsvoll, mitunter provokant und selten gefällig. Sie wollte nicht nur Luxusprodukte möglichst effektvoll präsentieren. Wissler interessierte sich für Herkunft, Erinnerung und die Frage, wie deutsche Kochkultur in einem modernen Menü klingen könnte.

Damit verlieh er dem Vendôme eine Identität, die weit über Sterne und Punkte hinausreichte. In unserer Auswahl der besten Restaurants in Deutschland zeigt sich, wie stark solche unverwechselbaren Handschriften die hiesige Spitzengastronomie bis heute bestimmen.

Der historische Sprung in die Top Ten

Im Jahr 2013 erreichte das Vendôme Platz zehn der World’s 50 Best Restaurants. Es war das erste deutsche Restaurant, das in dieser international beachteten Rangliste unter die besten zehn kam. Im Vorjahr hatte das Haus noch Platz 23 belegt.

Diese Platzierung war mehr als eine Momentaufnahme. Sie machte sichtbar, wie sehr sich die deutsche Spitzenküche verändert hatte. Ein Restaurant aus Bergisch Gladbach stand plötzlich neben Häusern aus Kopenhagen, Girona, Paris und New York, die damals die internationale Gourmetdebatte bestimmten.

An der Spitze der Liste lag 2013 das spanische El Celler de Can Roca. Das Noma in Kopenhagen, das zuvor mehrfach Platz eins erreicht hatte, wurde abgelöst. In dieser stark von Spanien und Skandinavien geprägten Phase war der zehnte Platz des Vendôme ein bemerkenswertes Signal.

Auch in den folgenden Jahren blieb das Restaurant international präsent. 2017 wurde es auf Platz 47 geführt. Die damalige Würdigung hob erneut Wisslers Verbindung aus deutscher Küchentradition und internationalen Einflüssen hervor.

Meilenstein Jahr Einordnung
Eröffnung unter Joachim Wissler 2000 Beginn der prägenden Vendôme-Ära
Dritter Michelin-Stern 2004 Aufstieg in die höchste Michelin-Kategorie
Platz zehn bei The World’s 50 Best Restaurants 2013 Erstes deutsches Restaurant in den Top Ten
Platz 47 der Weltrangliste 2017 Erneute internationale Bestätigung
Zwei Michelin-Sterne seit 2022 Weiterhin eine der führenden Gourmetadressen
Übergabe an Dennis Kuckuck 2025 Generationswechsel nach 25 Jahren
Zwei Michelin-Sterne bestätigt 2026 Erfolgreiche Fortführung unter neuer Leitung

Wie ein Abend im Vendôme seine Atmosphäre entfaltet

Ein Menü im Vendôme ist nicht auf einen einzelnen spektakulären Moment angelegt. Der Abend baut sich langsam auf. Erste kleine Gänge geben eine Richtung vor, bevor komplexere Kombinationen folgen. Teller, Gläser, Licht und Service greifen ineinander, ohne den Eindruck einer starren Choreografie zu erzeugen.

Die Küche lebt von Kontrasten. Kräftige Aromen können auf feine Säure treffen, klassische Saucen auf fermentierte oder pflanzliche Elemente. Das Restaurant bietet heute ein Menü mit Fisch und Fleisch sowie eine rein pflanzliche Variante an. Beide können in fünf oder sieben Gängen gewählt werden.

Zur Atmosphäre gehört auch die Weinkultur des Hauses. Ein großer Keller allein macht noch kein Gourmetrestaurant, doch im Vendôme begleitet der Wein die Dramaturgie des Menüs. Der Service soll dabei präsent sein, ohne den Abend mit Erklärungen zu überfrachten.

Besonders nach Einbruch der Dunkelheit verändert sich die Wirkung des Schlosses. Die beleuchtete Fassade, die ruhigen Innenhöfe und der Blick über die Umgebung schaffen einen Rahmen, der nur schwer von der eigentlichen Küche zu trennen ist. Ein Abend kann hier länger in Erinnerung bleiben als die einzelnen Gänge.

Diese Verbindung aus Architektur, Service und Kulinarik steht exemplarisch für ein Verständnis von Luxus, das Hotels heute zunehmend als Gesamterlebnis begreift. Wie Michelin solche Häuser jenseits klassischer Hotelsterne bewertet, zeigt unser Überblick zu den Michelin-Hotelschlüsseln in Deutschland.

Dennis Kuckuck führt die Geschichte weiter

Zum 31. Oktober 2025 übergab Joachim Wissler die kulinarische Verantwortung an Dennis Kuckuck. Die Übergabe war kein abrupter Bruch. Kuckuck hatte viele Jahre an Wisslers Seite gearbeitet und kannte das Restaurant, das Team und den hohen Anspruch des Hauses aus nächster Nähe.

Trotzdem besteht seine Aufgabe nicht darin, Wisslers Gerichte zu bewahren. Ein Restaurant dieses Ranges kann nicht dauerhaft von der Vergangenheit leben. Es muss seine Geschichte kennen und zugleich eine neue Sprache finden.

Kuckuck setzt nach Angaben des Hauses auf eine moderne, klare und aromatisch präzise Küche. Die Menüs sollen provokativ bleiben, aber leichter und zeitgemäßer wirken. Auch die pflanzliche Küche erhält einen festen Platz, ohne als bloße Alternative behandelt zu werden.

Der Guide Michelin führt das Vendôme 2026 weiterhin mit zwei Sternen. Die Inspektoren würdigen, dass Kuckuck den hohen Anspruch des eleganten Gourmetrestaurants fortsetzt.

Zu dieser neuen Generation gehört auch Pâtissière Larissa Metz. Ihre Desserts arbeiten mit Fermentation, Umami und unerwarteten Kombinationen. Das zeigt, dass die Weiterentwicklung nicht allein vom Küchenchef ausgeht, sondern von einem Team getragen wird. Das Restaurant selbst verweist auf ihre Auszeichnungen als Pâtissière des Jahres und auf die enge gedankliche Verbindung zwischen Küche und Patisserie.

Seit Ende 2025 verantwortet Dennis Kuckuck die Küche des Vendôme. Der langjährige Souschef führt die kulinarische Handschrift des Hauses mit eigenen Akzenten weiter. 
Bildnachweis:
Foto: Althoff Collection / Restaurant Vendôme

Warum das Vendôme zur deutschen Gourmet-Elite zählt

Das Vendôme gehört nicht allein wegen seiner Auszeichnungen zur Gourmet-Elite. Sterne können verloren gehen, Ranglisten verändern sich und kulinarische Moden verschwinden. Entscheidend ist, dass ein Restaurant über Jahrzehnte eine erkennbare Haltung entwickelt.

Joachim Wissler hat diese Haltung geprägt. Er machte das Vendôme zu einem Ort, an dem deutsche Küche selbstbewusst, weltoffen und intellektuell sein durfte. Der historische Sprung in die Top Ten war der sichtbarste Erfolg dieser Entwicklung, aber nicht ihr einziger Wert.

Dennis Kuckuck steht nun vor der Aufgabe, dieses Erbe nicht zu verwalten, sondern weiterzuschreiben. Die bestätigten zwei Michelin-Sterne zeigen, dass der Übergang gelungen ist. Gleichzeitig darf sich das Vendôme unter seiner Leitung verändern.

Über allem bleibt Schloss Bensberg. Die barocke Silhouette, die Aussicht über die Kölner Bucht und die stille Grandhotel-Atmosphäre geben dem Restaurant einen Rahmen, den kaum eine moderne Innenstadtlage nachbilden könnte.

Genau diese Verbindung macht das Vendôme besonders: große deutsche Küchengeschichte, ein behutsamer Generationswechsel und eine Schlosskulisse, die Luxus nicht laut ausstellt, sondern selbstverständlich wirken lässt.

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