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Warum Circular Fashion zum neuen Luxus wird – und eine Londoner Marke ihrer Zeit voraus war

Aktualisiert am
Wellicious Eco Premium Compostable Yoga Wear

Wellicious bietet zirkuläre Premium-Activewear für den modernen Luxus

Wellicous CIRCULAR YOGA & ACTIVEWEAR

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Gründerin
Heike Petersen Cunza
Ausrichtung
zirkuläre Premium-Activewear
Produktion
vollständig in Europa
Zertifizierung
Cradle to Cradle Certified® Gold, Material Health Platinum

Wer mehrere hundert Euro für eine Leggings oder einen Sports Bra ausgibt, erwartet heute mehr als eine perfekte Passform. Herkunft, Materialien und Verarbeitung gehören längst zur Kaufentscheidung. Die Frage lautet nicht mehr nur: Wie fühlt sich das an? Sondern auch: Wo wurde es hergestellt? Was steckt im Stoff? Und was passiert mit dem Kleidungsstück, wenn es irgendwann ausgedient hat?

Vor allem im Premiumsegment hat sich der Blick verändert. Begriffe wie Circular Fashion oder Material Health tauchen längst nicht mehr nur auf Fachkonferenzen auf. Sie finden ihren Weg in Kollektionen internationaler Modehäuser und kleiner Labels, die ihre Produkte von Grund auf anders entwickeln. Die Herausforderung ist groß. Funktionsstoffe sollen elastisch sein, Feuchtigkeit aufnehmen, ihre Form behalten und viele Jahre getragen werden können. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Materialien, die Mensch und Umwelt möglichst wenig belasten.

Zu den Unternehmen, die sich mit dieser Frage ungewöhnlich früh beschäftigt haben, gehört Wellicious. Die britische Marke entstand 2007 in London – lange bevor Kreislaufwirtschaft zum festen Bestandteil der Modebranche wurde. Gründerin Heike Petersen Cunza wollte keine weitere Yoga-Marke aufbauen. Sie stellte sich eine deutlich schwierigere Aufgabe: Lässt sich hochwertige Activewear herstellen, ohne am Ende ihres Lebens zwangsläufig zum Abfall zu werden?

Heike Petersen Cunza gründete Wellicious 2007 in London. Ihr Ziel: hochwertige Activewear entwickeln, die Materialqualität, Kreislaufwirtschaft und europäische Fertigung konsequent zusammenführt. Bildquelle: www.yogaandphoto.com

 

Eine Idee, die nicht aus dem Trend entstand

Der Gedanke kam nicht aus einem Strategiemeeting und auch nicht aus einer Marktanalyse. Heike Petersen Cunza beschreibt ihre Großmutter Maria als jemanden, der sorgsam mit Ressourcen umging, lange bevor Nachhaltigkeit ein gesellschaftliches Thema wurde. Auch die Zeit ihrer Eltern in Ostafrika prägte den Blick der Familie auf Natur und Rohstoffe.

Als Heike später Yoga für sich entdeckte, stellte sie fest, dass sich viele Werte dieser Lebensphilosophie in der Kleidung kaum wiederfanden. Hochwertige Stoffe gab es reichlich. Kreislauffähige Materialien praktisch nicht.

Wellicious entschied sich deshalb von Beginn an für einen anderen Weg. Produziert wird ausschließlich in Europa. Bereits seit 2009 verarbeitet das Unternehmen zertifizierte Bio-Baumwolle. Statt jedes Jahr neue Trends aufzugreifen, entstand Schritt für Schritt eine Kollektion, die viele Jahre getragen werden soll.

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Natur, Bewegung und hochwertige Materialien prägen die Kollektionen von Wellicious. Das 2007 gegründete Label entwickelt Premium-Activewear mit Fokus auf Circular Fashion, Cradle to Cradle Certified® und europäische

Die ungewöhnlichste Entwicklungsabteilung war ein Komposthaufen

Manche Innovation beginnt im Labor. Andere im Garten.

Auf der Suche nach einem Stoff, der leistungsfähig und biologisch abbaubar sein sollte, vergrub Heike Petersen Cunza Stoffproben im eigenen Kompost. Über Monate beobachtete sie, welche Materialien sich veränderten und welche nicht. Was fast improvisiert klingt, wurde Teil einer Entwicklung, die mehr als sechs Jahre dauerte.

Das eigentliche Problem lag im Material selbst. Activewear muss dehnbar sein, Bewegungen mitmachen und nach vielen Waschgängen ihre Form behalten. Genau diese Eigenschaften machen viele Sporttextilien bis heute schwer recycelbar. Die Suche nach einer Alternative verlangte zahllose Materialtests, neue Garnkombinationen und viel Geduld.

Aus dieser Arbeit entstand eine Stoffqualität, die den Ansprüchen der Marke genügte. Für Wellicious war das kein Endpunkt, sondern der Beginn eines größeren Vorhabens: Kleidung so zu entwickeln, dass sie möglichst lange genutzt werden kann und ihre Materialien nicht automatisch im Restmüll oder in der Verbrennung landen.

Ein Siegel, das in der Branche Gewicht hat

Wer sich mit Circular Fashion beschäftigt, stößt früher oder später auf Cradle to Cradle Certified®. Das Zertifizierungssystem gilt in der Textilbranche als anspruchsvoll, weil nicht nur das fertige Kleidungsstück bewertet wird. Auch die eingesetzten Materialien, der Umgang mit Wasser, Energiequellen und die spätere Wiederverwertung fließen in die Prüfung ein.

Für Sportbekleidung ist das eine besondere Herausforderung. Elastische Stoffe bestehen häufig aus Materialmischungen, die sich nur schwer wieder trennen lassen. Genau darin liegt eines der größten Probleme der Branche.

Wellicious richtet die Entwicklung seiner Kollektionen nach diesem Standard aus. Die Marke trägt nach Unternehmensangaben die Cradle to Cradle Certified® Gold-Zertifizierung. Im Bereich Material Health wurde sogar die höchste Bewertungsstufe Platinum erreicht. Die verwendeten Materialien wurden darauf geprüft, ob sie für Mensch und Umwelt unbedenklich sind.

Was zunächst technisch klingt, gewinnt im Alltag an Bedeutung. Activewear wird oft viele Stunden getragen – beim Yoga, auf Reisen oder im Homeoffice. Stoffe liegen direkt auf der Haut. Deshalb achten immer mehr Käufer nicht nur auf Passform oder Design, sondern auch darauf, woraus ihre Kleidung besteht.

Europa statt Umwege

Die meisten Kleidungsstücke legen heute tausende Kilometer zurück, bevor sie im Kleiderschrank landen. Garn, Stoff, Konfektion und Verpackung entstehen oft in unterschiedlichen Ländern.

Wellicious hat sich früh gegen dieses Modell entschieden. Produziert wird ausschließlich in Europa. Das verkürzt Transportwege und erleichtert die Zusammenarbeit mit den Betrieben, die die Stoffe entwickeln und verarbeiten.

Auch deshalb wirkt die Kollektion bewusst zurückhaltend. Statt ständig neuer Farben und Schnitte konzentriert sich die Marke auf wenige Modelle, die über Jahre getragen werden können. Eine gut geschnittene Leggings verliert ihren Wert nicht nach einer Saison. Dasselbe gilt für einen Sports Bra oder ein schlichtes Top. Gute Gestaltung kennt kein Verfallsdatum.

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Reduzierte Schnitte, hochwertige Materialien und eine klare Formsprache prägen die Activewear-Kollektionen von Wellicious.

Anerkennung, die nicht aus der Werbung kommt

In der Modebranche gibt es viele Preise. Nicht alle haben das gleiche Gewicht.

Wellicious wurde in den vergangenen Jahren unter anderem bei den Drapers Conscious Fashion Awards, den Marie Claire Sustainability Awards, den Future Icons Awards und dem Green Product Award ausgezeichnet oder nominiert. Im Mittelpunkt standen dabei nicht Kampagnen oder Verkaufszahlen, sondern Materialinnovation, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Lieferketten.

Auch außerhalb der Branche wächst das Interesse. Lady Amelia Windsor trug bereits mehrfach Outfits der Marke. Yoga-Lehrerin Gabriela Bozic und Model Eva Nestvogel gehören ebenfalls zu den Persönlichkeiten, die Wellicious für sich entdeckt haben.

Solche Namen machen eine Marke nicht besser. Sie zeigen aber, dass sich konsequente Produktentwicklung herumspricht – oft leiser als klassische Werbung, dafür nachhaltiger.

Als Heike Petersen Cunza 2007 mit Wellicious begann, sprach kaum jemand über Circular Fashion. Heute gehört das Thema zu den großen Aufgaben der internationalen Modebranche. Viele Unternehmen stehen noch am Anfang dieser Entwicklung. Wellicious arbeitet seit fast zwanzig Jahren daran.

Vielleicht liegt genau darin der größte Unterschied. Manche Trends beginnen mit einer Marketingkampagne. Andere mit einer Idee, die ihrer Zeit einfach voraus war.

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