Es gibt Kleidungsstücke, über die spricht man selten. Und doch tragen sie entscheidend dazu bei, wie man sich den ganzen Tag fühlt. Luxusunterwäsche gehört dazu. Wer einmal erlebt hat, wie sich ein perfekt sitzender BH aus Calais-Spitze anfühlt, geht ungern zurück zur Massenware aus dem Kaufhausregal. Aber welche Marken lohnen sich wirklich? Und welche haben sich auf dem deutschen Markt durchgesetzt?
Was unterscheidet Premium-Dessous von normaler Unterwäsche?
Der Unterschied liegt nicht nur im Preis. Natürlich kosten Luxusdessous mehr, manchmal deutlich mehr. Aber dafür bekommt man etwas, das man spürt. Feinste Materialien wie Schweizer Tüll, handverarbeitete Spitze aus Nordfrankreich oder japanische Seide. Nähte, die man kaum sieht. Eine Passform, die den Körper umschmeichelt statt einzuengen.
Gute Dessous arbeiten leise. Sie drücken nicht, rutschen nicht, zeichnen sich nicht ab. Und sie halten bei richtiger Pflege erstaunlich lange. Das allein macht den höheren Preis oft wett.
Welche Luxusunterwäsche-Marken sind in Deutschland besonders beliebt?
Chantelle: fast 150 Jahre Savoir-faire und ein neuer Luxusanspruch

Urheberrecht : Die Dessous-Kollektion Chantelle X im Lingerie-Shop: https://chantelle.com/de
Manche Marken tragen ihre Geschichte wie ein Gütesiegel. Chantelle gehört dazu. 1876 in Romilly-sur-Seine gegründet, begann alles mit der Herstellung elastischer Stoffe. Erst 1949 entstand daraus die Dessousmarke, wie man sie heute kennt. Was viele nicht wissen: Schon 1962 eröffnete das Haus eine Niederlassung in Düsseldorf und war damit eine der ersten französischen Lingerie-Marken, die gezielt auf den deutschen Markt setzten. In Kaufhäusern wie Breuninger, bei Zalando oder im eigenen Online-Shop auf chantelle.com/de ist die Marke bis heute fest verankert.
Das Sortiment reicht von klassischen Spitzenensembles bis zur alltagstauglichen Norah-Linie, dem aktuellen Bestseller des Hauses. Doch das eigentlich Spannende bei Chantelle trägt seit 2017 den Namen Chantelle X. Hinter diesem Label verbirgt sich die kreative Plattform des Hauses, positioniert als „Corseterie de Luxe“. Chantelle X arbeitet mit Leavers-Spitze aus Calais, die zu den edelsten und raffiniertesten Spitzenstoffen der Welt zählt.
International Aufsehen erregt hat Chantelle X durch seine Auftritte bei der Pariser Fashion Week. 2023 lieferte die Linie die Dessous für den Laufsteg von Ester Manas, eine Kollaboration, aus der eine eigene Kapselkollektion entstand: fünf Stücke in Leavers-Spitze, vom Body bis zur Parure, in Größen von S bis XL. 2024 folgte eine zweite Fashion-Week-Zusammenarbeit mit der jungen Designerin Alice Vaillant, die Ballettreferenzen und Sportswear-Elemente mit Chantelles Korsetterie-Know-how verschmolz. Das Ergebnis: Lingerie, die man nicht mehr versteckt, sondern zeigt.
Chantelle bleibt ein Familienbetrieb. Seit Januar 2024 führt Guillaume Kretz das Unternehmen als Geschäftsführer und Patrice Kretz als Präsident. 2026 feiert das Haus sein 150-jähriges Bestehen. Wer französisches Savoir-faire mit echtem Luxusanspruch sucht, findet in Chantelle X derzeit eines der spannendsten Angebote auf dem Markt.
La Perla: wenn Dessous zur Kunst werden
La Perla ist ein Statement. Die 1954 in Bologna gegründete Marke versteht sich weniger als Wäschehersteller denn als Modehaus für das Darunter. Seide, handgeklöppelte Spitze, Schnitte wie aus einem Atelierstück. Das hat seinen Preis. Und seine Berechtigung.
In der Welt der Haute Lingerie geht der Luxus jedoch noch weiter – bis hin zu außergewöhnlichen Kreationen wie einem Rococo-Dessous aus Gold, das eher Kunstobjekt als Alltagswäsche ist.
In Deutschland findet man La Perla vor allem in gehobenen Warenhäusern und spezialisierten Online-Shops. Für den Alltag ist das Label ehrlich gesagt wenig geeignet. Für besondere Momente dagegen kaum zu übertreffen.
Wolford: Präzision aus Vorarlberg
Wer Wolford sagt, denkt zuerst an Strumpfhosen. Zurecht. Die Marke aus Bregenz hat sich mit hochwertigen Strumpfwaren, Bodies und nahtloser Wäsche einen Namen gemacht, der weit über Österreich hinausstrahlt. Das Besondere an Wolford ist die Garnqualität. Die Produkte behalten auch nach vielen Wäschen ihre Form, ein Versprechen, das nicht viele Marken wirklich einlösen. Deutsche Kundinnen greifen zu Wolford vor allem dann, wenn es unter schmal geschnittener Business- oder Abendkleidung wirklich auf jedes Detail ankommt.
Simone Pérèle: diskret und raffiniert
Seit 1948 verbindet Simone Pérèle Pariser Chic mit alltagstauglichem Tragekomfort. Klingt simpel. Ist es aber nicht. Die Kollektion Andora etwa nutzt eine Spacer-3D-Technologie, die den BH buchstäblich atmen lässt. Das merkt man besonders im Sommer. In deutschen Fachgeschäften gehört die Marke zum festen Sortiment und wird von Beraterinnen häufig für Frauen empfohlen, die Wert auf unsichtbare Eleganz legen. Kein lautes Label, aber ein sehr kluges.
Agent Provocateur: Lingerie mit Haltung
Agent Provocateur ist das Gegenteil von dezent. 1994 von Joseph Corré, dem Sohn von Vivienne Westwood, in London gegründet, steht die Marke für provokante Entwürfe, aufwendige Materialien und eine Inszenierung, die an Burlesque erinnert. In Deutschland ist das Label online und in ausgewählten Boutiquen erhältlich. Nicht für jeden Tag gedacht. Eher für die Momente, in denen Unterwäsche zur Hauptrolle wird.
Aubade: französische Verführung seit 1875
Aubade gehört zu den ältesten Dessous-Häusern Frankreichs. Berühmt geworden ist die Marke durch ihre Kampagne „Leçons de Séduction“, eine Serie, die in den 90er-Jahren Kultstatus erreichte. Die Kollektionen setzen auf kunstvolle Stickereien und eine sinnliche Formensprache. In Deutschland findet man Aubade in gehobenen Wäschegeschäften und spezialisierten Online-Shops.
Wie findet man die richtige Luxusunterwäsche?
Ein ehrlicher Rat: Lassen Sie sich vermessen. Die Größensysteme variieren von Marke zu Marke erheblich. Was bei Wolford eine 75C ist, fällt bei Chantelle oder Simone Pérèle möglicherweise ganz anders aus. Viele Fachgeschäfte bieten eine professionelle Beratung an, das spart im Zweifel teure Fehlkäufe.
Und noch etwas: Pflege. Handwäsche mit lauwarmem Wasser und ein mildes Waschmittel sind bei Spitze und Elastan keine Empfehlung, sondern Pflicht. Auf Weichspüler sollte man komplett verzichten. Wer sich daran hält, hat von einem guten Stück deutlich länger etwas.
Ob nun die französische Handwerkskunst von Chantelle, die italienische Opulenz von La Perla oder der britische Glamour von Agent Provocateur: Luxusunterwäsche ist am Ende eine sehr persönliche Entscheidung. Eine, die man im besten Fall jeden Tag aufs Neue genießt.




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