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Luxusuhr verkaufen: Warum Sammlerwert den Materialwert schlägt

Foto von Slavan auf Unsplash

Eine Luxusuhr verkauft man selten mal so aus Jux und Tollerei. Meist liegt eine Erbschaft zugrunde, ein Tausch in der eigenen Sammlung oder schlicht die Erkenntnis, dass dieses oder jenes Stück seit Jahren im Tresor liegt. Kommt der Gedanke an den Verkauf auf, so richtet sich das Augenmerk schnell auf das Material: Wie viel Gold steckt im Gehäuse, wie schwer ist das Armband? Diese Rechnung greift zu kurz. Bei Uhren guter Manufakturen entscheidet nicht das Metall über den Preis, sondern eine Vielzahl von Merkmalen, die Sammler und Kenner genauestens unter die Lupe nehmen.

Foto von QUENTIN Mahe auf Unsplash

Materialwert und Marktwert: zwei verschieden Rechnungen

Der Materialwert einer Uhr ergibt sich aus ihrem Feingehalt und dem Gewicht der verwendeten Edelmetalle. Bei einem Edelstahlgehäuse ist dieser Wert praktisch gegen null. Sogar bei Uhren aus solidem 18 Karat Gold (750er Gold) mit einem Feingoldgehalt von 75 Prozent liegt der Metallwert meistens weit unter dem Preis, den man für die Uhr bezahlen muss.

Der Marktwert hingegen gibt an, was für diese eine Uhr in diesem Zustand gezahlt wird. Er bemisst sich nach Gegebenheiten, die keine Waage aufnehmen kann. Seltenheit, Nachfrage, Jahrgang und Originalität stehen hier zusammen und zeigen sich zum Beispiel an beliebten Uhrenmodellen wie der Submariner oder der Datejust. Wer sich zum Beispiel einmal mit dem Markt für gebrauchte Rolex in München beschäftigt hat, wird sehr bald merken, dass zwei äußerlich gleiche Uhren je nach Referenz, Zustand und Unterlagen völlig unterschiedlich eingeschätzt werden können.

Eine Bewertung nach Materiewert ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn die Uhr sehr beschädigt, nicht mehr reparierbar und als Sammlerstück uninteressant ist.

Die Referenz als Ausgangspunkt aller Wertschätzungen

Der Einfachheit halber jede Bewertung beginnt mit der genauen Identifizierung. Hersteller geben ihren Modellen Referenznummern, die Modell, Gehäusematerial, Lünette und meist auch Zifferblattvarianten definieren. Bei Rolex findet man die Referenz klassischerweise zwischen den Bandanstößen bei 12 Uhr eingraviert, die Seriennummer bei 6 Uhr. Bei neueren Modellen findet sich die Seriennummer auch auf dem inneren Rehaut-Ring unter dem Glas.

Aus beiden Angaben lassen sich mehrere Dinge ableiten:

  • das ungefähre Produktionsjahr
  • die ursprüngliche Konfiguration des Modells
  • ob Zifferblatt, Zeiger und Lünette zur Referenz passen
  • ob es sich um eine gesuchte Variante oder Übergangsserie handelt

Gerade der letzte Punkt bestimmt den Sammlerwert erheblich mit. Kleinste Unterschiede in Schriftzug, Farbe und Zifferblattdruck sind für Laien nicht erkennbar, machen aber für Kenner den entscheidenden Unterschied.

Zustand: Original vor Glanz

Viele Besitzer denken, dass eine frisch polierte Uhr beim Verkauf besser ankommt. Bei Sammlerstücken ist es oft umgekehrt. Jede Politur trägt Material ab, jedes Mal wirbeln die Maschinen das Gehäuse und nehmen ihm die ursprünglichen Kanten und Facetten. Ein Gehäuse mit Tragespuren, aber unpoliert, ist unter Kennern oftmals glaubwürdiger als eine nachbearbeitete Oberfläche.

Üblich ist die Prüfung auf:

  • Polierspuren und Dellen an Gehäuse und Bandanstößen
  • Verfärbungen und Feuchtigkeitsschäden am Zifferblatt und an den Zeigern
  • Dehnung und Längung der Glieder und zur Schließe passenden Armbands
  • Ganggenauigkeit, Amplitude und Funktion aller Komplikationen beim Werk
  • Wasserdichtigkeit, falls das Modell dies vorsieht

Auch Servicetauschteile wie ein Zifferblatt verlangen unsere Aufmerksamkeit. Ein ausgetauschtes Zifferblatt kann bei Revisionen zwar hilfreich gewesen sein, bei Kennern macht es sich aber nicht gut. Wer die Originalteile noch hat, sollte sie deshalb unbedingt mitbringen.

Box und Papiere: warum das Full Set zählt

Eine Uhr gilt als Full Set, wenn sie mit Originalbox, Garantiekarte oder Zertifikat, Anleitung und eventuell Hangtags verkauft wird. Die Garantieunterlagen belegen Herkunft, Verkaufsdatum und angegebenen autorisierten Händler. Für Käufer schaffen sie Sicherheit, für Verkäufer stärken sie die Verhandlungsposition. Fehlen die Papiere, ist eine Uhr deshalb nicht wertlos. Die Wahrscheinlichkeit der Echtheit lässt sich auch an Werk, Gravuren und Verarbeitung überprüfen. Die Schätzung fällt in solchen Fällen aber meist spärlicher aus. Kaufbelege, Revisionsnachweise des Herstellers und Rechnungen der Uhrmacher helfen dabei, die Geschichte eines Stücks lückenlos zu dokumentieren.

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So sollte eine persönliche Bewertung transparent ablaufen

Eine seriöse Schätzung ist nachvollziehbar. Die Uhr wird in der Gegenwart des Besitzers untersucht, die einzelnen Kriterien werden benannt, das Angebot wird begründet. Bei der Schützen Goldstube München beispielsweise wird diese persönliche Schätzung zentral berücksichtigt. Referenz, Zustand und Unterlagen werden einzeln betrachtet, so dass jeweils klar ist, was den Preis hebt und was ihn mindert.

Fragen sind im Gespräch etwa:

  • Welche Referenz und welches Baujahr wurden festgestellt?
  • Gibt es irgendetwas, das vom originalen Zustand abweicht?
  • Was machen sich fehlende oder vorhandene Papiere aus?
  • Wurde die Uhr nach Sammlerwert oder nach Materialwert geschätzt?

Ein Angebot ist immer eine Momentaufnahme. Preise für gebrauchte Luxusuhren schwanken mit Nachfrage und Marktlage, eine Garantie für künftige Wertentwicklungen gibt es nicht.

Foto von Slavan auf Unsplash

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