Naturwein: Neue Aromen in Orange

In den 60er und 70er Jahren suchten Winzer aus dem Beaujolais nach neuen Möglichkeiten Wein jenseits der Massenfertigung herzustellen. Heraus kam der sogenannte vin naturel, zu Deutsch Naturwein, der sich spätestens in den 1980er Jahren als eine Art Szenegetränk in einigen Pariser Bistrots durchsetzte. Danach verschwand er relativ schnell wieder, bis man ihn in den letzten Jahren wiederentdeckte. Heute gilt der Naturwein als trendiges Statement gegen die industrielle Fertigung und wird vor allem im englischsprachigen Raum von einigen Szenerestaurants, von New York bis London, ausgeschenkt.

Hierzulande setzt er sich ebenfalls nach und nach durch, wobei bei uns das Wort Naturwein ein wenig vorbelastet ist. Diese Art von Weinen, von denen hier die Rede ist, zeichnen im Großen und Ganzen folgende Dinge aus: Handlese, keine Chemie im Weinberg, schonende Behandlung von Most und Trauben, nur spontane Gärung, keine Zugabe von Zucker, weitgehend unfiltriert und geschwefelt. Im Grunde wird beim Gären des Weins also so viel wie möglich der Natur überlassen.

Kommen bei industriellen Weinen Chemie, Schwefel, Hefen und Co. hinzu, so wird Naturwein soweit es geht, ohne die bewusste Steuerung des Menschen erzeugt. Ab und an kommt am Ende noch ein wenig Schwefel dazu um ihm Stabilität zu verleihen, aber eben nur am Ende vor der Abfüllung und nicht schon früher um die Prozesse zu beeinflussen.

Heraus kommt ein Wein, der in verschiedenen Orange-Tönen leuchtet und sich alleine schon dadurch von den üblichen Tropfen unterscheidet. Da der Mensch sich aus dem Gärungsprozess heraushält, sind nicht unbedingt alle Weine perfekt, doch genau darauf kommt es eben an: Neue Sorten, Herstellungsarten, Aromen und Nuancen zu entdecken. Naturweine können eine Bereicherung sein und so sollte man sich ihnen nicht verschließen!

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